Folge 6 - Ihr behindert mich!

Menschen mit Behinderung sind doppelt benachteiligt: Zum einen schränkt sie ihre Behinderung in irgendeiner Form ein, d.h. sie können einiges nicht machen. Zum anderen werden sie oft von ihrer Umgebung eingeschränkt bzw. "behindert", weil sie ignoriert, benachteiligt oder sogar ausgegrenzt werden. Die meisten Menschen haben keinen direkten Kontakt mit Behinderten.

In dieser Folge unterhalten sich Lena und Perdita darüber, was sich in unserem Denken und Handeln verändern muss, damit das Miteinander mit Menschen mit Behinderung im Alltag selbstverständlich und normal wird, d.h. Inklusion gelebt wird.

 

inklusion podcast

Länge: 46 Minuten


CHALLENGE 

Wir würden uns wünschen, dass ihr Menschen mit Behinderung als ganz normalen Teil der Gesellschaft ansieht. Dass ihr ihnen normal und respektvoll gegenübertretet und sie mehr in euren Alltag integriert. Selbst wenn Unsicherheiten auftauchen, löst diese. Geht z.B auf den Betroffenen/die Betroffene zu und fragt nach, ob sie denn Hilfe benötigen. Scheut euch nicht davor, Kontakt aufzunehmen.

Trainiert einfache Sprache: Wie rede ich? Was schreibe ich nieder? Welche Informationen trage ich nach außen? Sind diese gut verständlich für Menschen, die z.B eine Lernbeeinträchtigung haben oder geistig eingeschränkt sind?

Perspektivenwechsel. Wenn ihr das nächste Mal durch die Stadt läuft, stellt euch vor ihr seid blind oder im Rollstuhl. Wie würde es euch da ergehen? Welche Schwierigkeiten gibt es? Sicherlich werden euch Sachen auffallen, an die ihr davor noch nie gedacht habt.


Für diejenigen von euch, die noch eine Stufe weitergehen möchten; es gibt eine App "Wheelmap", die wir euch ans Herz legen möchten. Sie dient als Unterstützung und Übersicht für Menschen, die physisch beeinträchtigt sind. Dort könnt ihr an verschiedenen Orten und Stellen in eurer Stadt, die Barrierefreiheit bewerten, damit sich Betroffene besser auf Situationen einstellen können.

UNSER GAST

Petra Asenbauer

 

Petra Asenbauer (32 Jahre) wohnt in Passau.
Sie hat eine abgeschlossene Ausbildung zur Bürokauffrau und arbeitet derzeit als Sachbearbeiterin für Digitalisierung Archiv vom Bistum Passau.

 

Art der Behinderung:
Cerebralparese (Hirnschädigung)
Tetraspastik (Lähmung, alle vier Gliedmaßen betroffen:Beine,Arme, Zunge seit Geburt)

Petras Schulweg:
Förderschule K. Schule /
(war dort Klassensprecherin und Schirmherr)
Sie hat ihren Quali absolviert, trotz Verunsicherung durch Aussage von ehemaligen Bischof “Du wirst den Quali nicht schaffen”

 

Wo Petra sonst noch aktiv ist:
Unterwegs mit Taizè
Musical Verein Jägerwirth (Teil der Tanzgruppe, Komparse und Statistin)
hat guten Kontakt zur Lebenshilfe
Motor des Zeughaus Projekts Stufenlos Jugend
interessiert sich für Umwelt und Nachhaltigkeit (belegt derzeit Kurs von KEB Umweltschutzkurs)


TRANSKRIPTION

Lena: Hallo Petra, schön, dass du dir Zeit genommen hast heute. Wir steigen gleich mal ein mit der ersten Frage und zwar: Was machst du gerne, wenn du so richtig Spaß haben willst?

 

Petra: Also ich gehe gerne tanzen und was mir immer Spaß macht ist einfach das Trommeln. Das könnte ich den ganzen Tag.

 

Lena: Dann interessieren wir uns natürlich für dein Engagement... was macht für dich das Engagement so wichtig?

 

Petra: Wir leben auf einer Welt und da sollte Zusammenhalt oder sich gegenseitig helfen oder auch Spaß  haben eigentlich wichtiger sein als Geld oder Titel (?) hinterher zu jagen. Das ist nämlich nicht das, was einem am Ende bleibt.

 

Lena: Und was bewegt dich aktuell beim Thema „Engagement“? Gibt`s was Konkretes, womit du dich gerade befasst? Vielleicht auch etwas, was dir Sorgen macht?

 

Petra: Also Sorgen macht mir aktuell wirklich, dass es einfach viele unvernünftige Leute gibt in Zeiten von Corona. Dass die Leute zu kurz kommen, die eigentlich nichts dafür können wie Tanzstudios, weil sie jede Hygiene-Maßnahme beachtet haben und sich bemühen, dass alles ordentlich und vernünftig abläuft. Leider sind es dann meistens diejenigen, die es büßen müssen, wenn es zu viele Leute privat in solchen Zeiten Unsinn machen.

 

Perdita: Du hast uns ja auch erzählt, dass du dich jetzt auch für Umweltschutz engagierst. Was hat dich dazu bewegt?

 

Petra: Also draußen war ich schon immer gerne, weil ich auch am Land aufgewachsen bin und dadurch ist man eigentlich sofort immer draußen, wenn das Wetter schön ist. Und was die Erde betrifft, sehe ich das so, dass wir hier nur zu Gast sind und deswegen sollten wir die Erde als Freund betrachten. Dazu gehört für mich auch der Umweltschutz. Man soll sich dazu Gedanken machen, wo man Sachen kauft und wie man das „Gast sein“ genießen kann.

 

Perdita: Du hast das Projekt „Stufenlos“ in Passau initiiert und das bietet die Möglichkeit, dass junge Menschen ohne Behinderung ins lokale Jugendzentrum gehen und auf Behinderte treffen. Wie bist du überhaupt auf die Idee gekommen das Projekt zu gründen und wie hast du das ins Laufen gebracht?

 

Petra: Genau, Stufenlos gibt es bereits seit 12 Jahren. Davor war das Thema „Inklusion“ noch nicht ganz so selbstverständlich, wie es heute immer mehr wird. Ich hatte das Problem, dass ich keinen Anschluss gefunden habe. Dann ist mir die Idee gekommen etwas mit Behinderten und „normalen“ Menschen sag ich jetzt mal, zu machen. Kurz darauf bin ich dann auf das Zeughaus gestoßen und hab mir Feedback zu meinem Vorschlag geben lassen. Die Idee wurde sehr offen und begeistert begrüßt und auch von einer Bekannten bei der Lebenshilfe hatte ich Unterstützung und ist so in Laufen gekommen.

 

Perdita: Wie läuft „Stufenlos“ ab?

 

Petra: Zu den Öffnungszeiten vom Zeughaus, kann jeder Interessierte (mit oder ohne Behinderung)  vorbeikommen. Auch den Aufzug, der dann recht zeitig eingerichtet wurde sowie eine 

behindertengerechte Toilette, können benutzt werden. Ihr bekommt jederzeit Hilfe. Wir spielen Billard, essen und trinken was und unterhalten uns gut. Ganz normale Sachen eben.

 

Perdita: Was wünscht du dir, was sich im Denken/Handeln/Verhalten von Menschen in Bezug auf Inklusion ändern sollte? Was sollte sich ändern, damit unser Miteinander inklusiver wird?

 

Petra: Also zuallererst finde ich, dass sich über die letzten 10 Jahre  (mittlerweile bin ich 32) unendlich viel getan hat. Es ist selbstverständlicher geworden, man macht nicht mehr so einen Unterschied. Inklusion heißt nicht immer „Ich erwarte etwas von den Menschen ohne Behinderung, sondern auch von mir, als behinderte Person wird auch erwartet, dass ich mich inklusiv verhalte.“ Man sollte sich gegenseitig helfen, wenn man beispielsweise sieht, dass jemand neben sich Einkäufe hat und diese tragen und verstauen muss. Meine Nachbarn haben mir schon öfters Hilfe angeboten ohne ein großes Thema draus zu machen. Das ist für mich Inklusion, auf sich gegenseitig Acht geben. Jeder hat irgendetwas, was er/sie nicht so gut kann und das man sich da einfach unterstützt. Behinderung oder nicht!

 

Perdita: Vielen Dank für das Gespräch Petra und dass du dir Zeit genommen hast.

 

Petra: Gerne!

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